Mailfence, entwickelt von der ContactOffice Group und 2013 gestartet, hat seinen Betriebssitz in Brüssel, Belgien. Diese Rechtsordnung ist bedeutsam: Das belgische Recht verlangt einen Gerichtsbeschluss, bevor Behörden auf Nutzerdaten zugreifen dürfen, und es gibt kein Pflichtgesetz zur Datenspeicherung für E-Mail-Anbieter dieser Art. Das Unternehmen hat einen Transparenzbericht veröffentlicht und erklärt, in der Vergangenheit bestimmten Datenanfragen widerstanden zu haben, was ein Maß an Rechenschaftspflicht über bloße Marketingaussagen hinaus bietet.

Sicherheit und Verschlüsselung

Mailfence implementiert OpenPGP für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, einen etablierten und prüfbaren Standard. Nutzer können Schlüssel direkt innerhalb der Plattform generieren oder vorhandene importieren. Zudem gibt es einen integrierten öffentlichen Schlüsselspeicher zum Auffinden der Schlüssel anderer Nutzer. Digitale Signaturen werden ebenfalls unterstützt, sodass Empfänger die Authentizität von Nachrichten überprüfen können. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Verschlüsselung nicht für alle Nachrichten automatisch erfolgt. E-Mails, die an Kontakte gesendet werden, die kein OpenPGP verwenden, sind während der Übertragung durch TLS geschützt, jedoch nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt, was bedeutet, dass Mailfence in diesen Fällen technisch gesehen auf den Nachrichteninhalt zugreifen könnte. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung wird unterstützt und bietet eine wichtige zusätzliche Ebene der Kontosicherheit.

Benutzerfreundlichkeit

Die Oberfläche ist funktional, wirkt jedoch optisch veraltet. Die Navigation zwischen E-Mail, Kalender, Kontakten und Dokumenten ist ausreichend übersichtlich, doch fehlt der Erfahrung der Feinschliff neuerer Konkurrenten. Der mobile Zugriff ist über Standard-IMAP/SMTP-Protokolle mit beliebigen Drittanbieter-Clients möglich, allerdings gibt es keine dedizierte native mobile App, was für Nutzer, die hauptsächlich mit Smartphones arbeiten, eine nennenswerte Lücke darstellt. Das Einrichten von OpenPGP und die Schlüsselverwaltung erfordern ein gewisses Maß an technischem Wissen, was weniger erfahrene Nutzer abschrecken könnte.

Preisgestaltung und Preis-Leistungs-Verhältnis

Der kostenlose Tarif bietet 500 MB E-Mail-Speicher und 500 MB für Dokumente, was im Jahr 2024 sehr begrenzt ist. Bezahlte Tarife beginnen bei ca. 3,50 €/Monat für die Entry-Stufe (10 GB E-Mail-Speicher) und reichen bis zu höheren Stufen für Teams und Unternehmen. Im Vergleich zu ProtonMails kostenlosem Angebot von 1 GB und Tutanotas kostenlosem 1-GB-Tarif wirkt Mailfences kostenloser Tarif weniger wettbewerbsfähig. Bei den bezahlten Tarifen ist das Preis-Speicher-Verhältnis angemessen, und die enthaltenen Produktivitätstools bieten greifbaren Mehrwert für Nutzer, die mehr als nur E-Mail benötigen.

Datenschutzpraktiken

Mailfences Datenschutzrichtlinie besagt, dass keine Werbung geschaltet und keine Nutzerdaten verkauft werden. Einige Metadaten- und IP-Protokollierungen erfolgen für betriebliche Zwecke, was in der Dokumentation offengelegt wird. Das Unternehmen pflegt eine Canary-Erklärung und war bei rechtlichen Anfragen vergleichsweise offen.

Insgesamt ist Mailfence ein glaubwürdiger Datenschutz-E-Mail-Dienst mit legitimen Sicherheitsnachweisen, erfordert jedoch ein gewisses Engagement der Nutzer, um die Verschlüsselungsfunktionen effektiv zu nutzen, und bietet nicht die nahtlose, moderne Erfahrung, die manche Nutzer erwarten.