Threema besetzt eine spezifische Nische in der Landschaft verschlüsselter Messaging-Dienste: Die App richtet sich an Nutzer, die sowohl starke Kryptografie als auch echte Anonymität wünschen – und nicht nur Ersteres. Die meisten datenschutzorientierten Apps erfassen bei der Anmeldung noch immer eine Telefonnummer, wodurch ein Konto mit einer realen Identität verknüpft wird. Threema umgeht dies vollständig, indem jedem Nutzer eine zufällig generierte Threema-ID zugewiesen wird. Diese Designentscheidung ist das markanteste Merkmal der App und hat einen klaren praktischen Nutzen für Nutzer in risikoreichen Umgebungen oder solche, die schlicht eine Trennung ihrer digitalen Identitäten bevorzugen.
Auf der Sicherheitsseite verwendet Threema die angesehene NaCl-Kryptografiebibliothek für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Nachrichten, Sprachanrufe, Gruppenchats, Dateiübertragungen und sogar Statusnachrichten werden verschlüsselt, bevor sie das Gerät verlassen. Das Unternehmen veröffentlicht seinen Quellcode und hat unabhängige Audits in Auftrag gegeben – ein bedeutender Schritt in Richtung Rechenschaftspflicht. Kryptografische Angaben sind überprüfbar, anstatt bloß behauptet zu werden.
Der Schweizer Rechtsrahmen ist es wert, erwähnt zu werden. Die Schweiz ist weder Teil der EU noch des Five-Eyes-Geheimdienstbündnisses, und ihr rechtlicher Rahmen setzt im Allgemeinen eine höhere Schwelle für die Offenlegung von Daten voraus als viele andere Länder. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Schweiz ein rechtsfreier Raum ist – ernsthafte Strafermittlungen können Schweizer Unternehmen dennoch zur Kooperation verpflichten. Nutzer sollten Schweizer Hosting nicht als absolute Datenschutzgarantie betrachten.
Aus Sicht der Benutzerfreundlichkeit funktioniert Threema zuverlässig. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich, ohne auf nützliche Funktionen zu verzichten. Gruppenchats, Umfragen, Sprach- und Videoanrufe, das automatische Löschen von Nachrichten und die Dateifreigabe funktionieren alle wie erwartet. Der Desktop-Client und die Web-Oberfläche sind funktional, obwohl die Multi-Device-Synchronisation im Vergleich zu Apps wie Signal, die nahtlose Unterstützung für verknüpfte Geräte früher eingeführt haben, historisch gesehen ein Schwachpunkt war. Threema hat hier Verbesserungen vorgenommen, doch die Nutzererfahrung ist noch nicht so reibungslos wie bei einigen Mitbewerbern.
Das Preismodell ist gleichzeitig ein echtes Alleinstellungsmerkmal und ein echtes Hindernis. Einmalig ungefähr 5 USD zu zahlen statt monatlich zu abonnieren ist auf lange Sicht vernünftig. Die Vorabkosten hemmen jedoch die spontane Nutzung. Netzwerkeffekte sind beim Messaging entscheidend, und Threemas Nutzerbasis bleibt im Vergleich zu gängigen Alternativen klein. Ein Nutzer, der zu Threema wechselt, findet dort möglicherweise nur wenige bestehende Kontakte, was die unbequeme Entscheidung erzwingt, mehrere Messaging-Apps gleichzeitig zu nutzen.
Threema Work, die Enterprise-Variante, erweitert die Plattform auf Organisationen, die bereit sind, einen Pro-Nutzer-Preis zu zahlen. Dieser ist im Markt für Unternehmenskommunikation wettbewerbsfähig und hat in einigen europäischen Behörden und Unternehmensumgebungen Anklang gefunden.