Cyberghost wurde 2011 in Bukarest, Rumänien, vom deutschen Unternehmer Robert Knapp gegründet. Im Jahr 2017 wurde es als erstes VPN von Kape Technologies (damals noch Crossrider) für rund 10 Millionen US-Dollar übernommen. Die rumänische Rechtsordnung ist ein echter Vorteil: Das Land kennt keine Pflicht zur Datenspeicherung für VPN-Anbieter und gehört weder den Five Eyes noch den Nine Eyes oder Fourteen Eyes an.

Die Geschichte von Kape sollte bei jedem seiner VPN-Produkte erneut erwähnt werden. Das Unternehmen firmierte von 2011 bis 2018 unter dem Namen Crossrider und betrieb eine Browser-Erweiterungsplattform, die durch das Einschleusen von Werbung monetarisiert wurde. Google, Symantec und MalwareBytes stuften Crossrider-Software als potenziell schädlich ein. Das Rebranding zu Kape im Jahr 2018 erfolgte ausdrücklich, um die Assoziation mit den früheren Aktivitäten zu beenden. Kapes Mehrheitseigentümer Teddy Sagi verbüßte eine Gefängnisstrafe wegen Wertpapierbetrugs. Mitgründer Koby Menachemi diente in der israelischen Geheimdiensteinheit 8200. Am kritischsten ist, dass Kape im Jahr 2021 die VPN-Bewertungsseiten vpnMentor und WizCase erwarb – Plattformen, die Kapes eigene VPNs nun auf den vordersten Plätzen führen. Die Bewertung von 9,7/10 für Cyberghost durch vpnMentor muss vor diesem Hintergrund bewertet werden.

Die technische Infrastruktur ist solide. Das Servernetzwerk ist mit über 11.690 Servern in mehr als 100 Ländern das größte der Branche, mit dedizierten Kategorien für Streaming (über 50 Plattformen), Gaming und P2P. Allerdings sind etwa 40 % virtuelle Standorte – viele südamerikanische Server befinden sich physisch beispielsweise in Miami. Die NoSpy-Server in Rumänien sind im Eigenbesitz und werden selbst betrieben, was datenschutzbewussten Nutzern eine besonders gehärtete Option bietet.

Deloitte führte No-Logs-Audits in den Jahren 2022 und 2024 nach dem ISAE-3000-Standard durch. Beide bestätigten, dass die Serverkonfigurationen mit der erklärten No-Logs-Richtlinie übereinstimmen – es werden weder IP-Adressen, noch Browserverlauf, DNS-Anfragen oder Verkehrsdaten gespeichert. Das Audit von 2024 wurde um das Incident-Management und das dedizierte IP-Token-System erweitert. Die seit 2011 vierteljährlich veröffentlichten Transparenzberichte zeigen durchgehend, dass keine Daten an Strafverfolgungsbehörden weitergegeben wurden.

Nur-RAM-Server mit vollständiger Festplattenverschlüsselung stellen sicher, dass Daten bei jedem Neustart gelöscht werden. Die Protokollunterstützung umfasst WireGuard, OpenVPN (AES-256-CBC mit RSA-4096-Handshake) und IKEv2. Der integrierte Content-Blocker hat in Tests von TechRadar 83 % der Werbeanzeigen blockiert. Ein Programm zur verantwortungsvollen Offenlegung von Sicherheitslücken bearbeitet Fehlerberichte vierteljährlich, wobei gültige Befunde zeitnah behoben werden.

Die Geschwindigkeitsleistung ist bei nahegelegenen Servern wettbewerbsfähig: vpnMentor maß 203 Mbit/s in Dallas gegenüber einer Ausgangsbasis von 218 Mbit/s. Bei Verbindungen über große Entfernungen nimmt die Leistung stärker ab als bei den führenden Mitbewerbern – Engadget verzeichnete 34 Mbit/s nach Johannesburg bei einer Latenz von 632 ms, und ProPrivacy ermittelte im Durchschnitt 63,9 Mbit/s. Cyberghost ist in direkten Vergleichen durchgehend langsamer als NordVPN und Surfshark.

Streaming ist eine Stärke. Unabhängige Tests bestätigen den Zugang zu über 15 regionalen Netflix-Bibliotheken, Disney+, BBC iPlayer, Amazon Prime Video, Hulu, HBO Max, ESPN+ und DAZN. Dedizierte Streaming-Server sind nach Plattform gekennzeichnet. P2P-Torrenting funktioniert auf optimierten Servern gut; vpnMentor lud eine 1,1-GB-Datei in unter zwei Minuten herunter.

Die entscheidende Lücke ist die fehlende Obfuskation. Cyberghost kann die Deep Packet Inspection in China, Iran oder Ägypten nicht umgehen. Für Nutzer in stark zensierten Ländern ist dies ein disqualifizierendes Manko. Split-Tunneling ist unter macOS und iOS nicht verfügbar. OpenVPN steht auf Apple-Geräten nicht zur Verfügung. Der IPv6-Leckschutz ist nicht auf allen Plattformen automatisch aktiv und muss manuell konfiguriert werden. Der Kill-Switch lässt sich auf den meisten Plattformen außer Windows nicht deaktivieren.

Die Preisgestaltung ist bei den Einführungskonditionen aggressiv: Der 28-Monats-Plan kostet 2,03–2,19 $/Monat. Der Verlängerungspreis verdoppelt sich jedoch in etwa auf rund 4,79 $/Monat – ein Muster, das bei Kape-Produkten häufig vorkommt. Die 45-tägige Geld-zurück-Garantie für Pläne ab sechs Monaten ist die großzügigste der Branche. Zu den Zahlungsoptionen gehören Kreditkarten, PayPal, Google Pay, Amazon Pay und Kryptowährungen.

Der Kundensupport über mehrsprachigen Live-Chat rund um die Uhr erhält positive Bewertungen. Die maximale Anzahl von sieben gleichzeitigen Verbindungen ist für die meisten Nutzer ausreichend, bleibt jedoch hinter den unbegrenzten Verbindungen zurück, die Surfshark und PIA anbieten.

Unabhängige Rezensenten (TechRadar 3,9/5, ProPrivacy 4,1/5, Engadget 83/100) bewerten Cyberghost durchgehend als technisch kompetent, aber wenig herausragend – die Kape-Eigentümerschaft und das Fehlen innovativer Funktionen halten es in redaktionellen Empfehlungen hinter NordVPN, ProtonVPN und Surfshark.