PureVPN wurde 2007 von Uzair Gadit über GZ Systems Ltd. gegründet, einer Tochtergesellschaft des pakistanischen Technologiekonzerns Gaditek. Obwohl das Unternehmen inzwischen offiziell in Tortola auf den Britischen Jungferninseln eingetragen ist – womit es außerhalb der Geheimdienstkooperationen der 5/9/14-Eyes-Allianz liegt – bleiben seine operativen Verbindungen nach Pakistan unter Datenschutzexperten ein Diskussionsthema. PureVPN wurde nicht von Kape Technologies übernommen, trotz gelegentlicher Verwechslungen; das Unternehmen wird weiterhin eigenständig unter dem Dach von Gaditek betrieben.

Das bedeutendste Ereignis in PureVPNs Geschichte ist der FBI-Vorfall aus dem Jahr 2017. Während das Unternehmen sich aktiv als No-Logs-VPN-Anbieter vermarktete, kooperierte PureVPN mit FBI-Agenten, die einen Cyberstalking-Fall in Massachusetts untersuchten, und übermittelte Verbindungsdaten, anhand derer die Heim- und Arbeits-IP-Adressen des Verdächtigen identifiziert werden konnten. Dies widersprach direkt den Datenschutzversprechen des Unternehmens und verursachte anhaltenden Reputationsschaden. PureVPN überarbeitete daraufhin seine Datenschutzrichtlinie und strebte eine Validierung durch Dritte an.

Um seine Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, beauftragte PureVPN zunächst Altius IT mit einem No-Logs-Audit, gefolgt von einem umfassenderen Audit durch KPMG. Das Unternehmen gibt an, dass KPMG einen Always-on-Vertrag unterhält, der unangekündigte Stichprobenprüfungen ermöglicht, und veröffentlicht halbjährliche Transparenzberichte. Obwohl dies bedeutsame Schritte sind, wurden die vollständigen KPMG-Auditberichte bisher nicht öffentlich zugänglich gemacht, was die Möglichkeit unabhängiger Forscher einschränkt, die Angaben vollständig zu überprüfen. Die aktuelle Datenschutzrichtlinie besagt, dass PureVPN E-Mail-Adressen, Zahlungsinformationen und anonymisierte Bandbreitennutzungsdaten erhebt, jedoch keine Surfaktivitäten, Verbindungszeitstempel oder Ursprungs-IP-Adressen protokolliert.

Auf technischer Seite betreibt PureVPN über 6.500 Server in rund 78 bis 96 Ländern, je nach Quelle. Das Netzwerk umfasst sowohl physische als auch eindeutig gekennzeichnete virtuelle Serverstandorte, wobei 200 Server dem P2P-Filesharing gewidmet sind. Die Protokollunterstützung umfasst WireGuard, OpenVPN (UDP und TCP), IKEv2, L2TP/IPSec, SSTP und PPTP. In einer bemerkenswerten Entwicklung kooperierte PureVPN 2022 mit Quantinuum, um quantenresistente Verschlüsselung auf über 60 Servern einzusetzen, und gehört damit zu den ersten Consumer-VPNs, die einen Post-Quanten-Schlüsselaustausch anbieten.

Die Geschwindigkeitsleistung ist durchwachsen. Bei nahe gelegenen Servern können Nutzer mit Geschwindigkeitseinbußen von rund 10 % rechnen, was für die meisten Anwendungsfälle akzeptabel ist. Verbindungen zu weit entfernten Servern zeigen jedoch Einbrüche von 40 % oder mehr, und einige Tester haben über inkonsistente Leistung im Zeitverlauf berichtet. Unabhängige Leak-Tests haben ergeben, dass der Windows- und Android-Client im Allgemeinen sicher sind, während der macOS-Client bei mindestens einem Test IPv6-Adressen über DNS und WebRTC preisgegeben hat.

Streaming ist einer der stärkeren Bereiche von PureVPN. Mehrere unabhängige Tests bestätigen, dass der Dienst Netflix in mehreren Regionen sowie Disney+, Hulu, BBC iPlayer, Amazon Prime Video und verschiedene regionale Dienste zuverlässig entsperrt. Allerdings wurde berichtet, dass HBO Max (jetzt Max) PureVPN-Verbindungen konsequent erkennt und blockiert. Torrenting wird auf dedizierten P2P-Servern mit optionalem Port-Forwarding unterstützt, wobei die Geschwindigkeiten in einigen Bewertungen als mittelmäßig beschrieben wurden.

PureVPN unterstützt bis zu 10 gleichzeitige Verbindungen und bietet native Apps für Windows, macOS, Linux, Android, iOS und verschiedene Smart-TV-Plattformen sowie Browser-Erweiterungen für Chrome, Firefox und Edge. Die Konfiguration auf Router-Ebene ist für DD-WRT-, Tomato- und Asus-Firmware verfügbar.

Die Preisgestaltung gehört zu den niedrigsten in der Branche. Langzeitpläne beginnen bei rund 2 USD pro Monat, mit einer 31-tägigen Geld-zurück-Garantie und einer kostengünstigen 7-Tage-Testphase. Zahlreiche Nutzerbewertungen auf verschiedenen Plattformen berichten jedoch von Abrechnungsproblemen, darunter unerwartete automatische Verlängerungen und Schwierigkeiten bei der Bearbeitung von Rückerstattungen.

PureVPN hat seit 2017 echte Bemühungen zur Reform unternommen, und der KPMG-Auditvertrag stellt ein glaubwürdiges Bekenntnis zur Rechenschaftspflicht dar. Der FBI-Protokollierungsvorfall bleibt jedoch dauerhaft Teil seiner Geschichte, und die Diskrepanz zwischen der BVI-Eintragung und dem operativen Standort in Pakistan lässt Raum für berechtigte Skepsis. Für Nutzer, die günstigste Preise und Streaming-Zugang priorisieren, bietet PureVPN soliden Gegenwert. Für Nutzer, deren Hauptanliegen ein verifizierter und bewährter Datenschutz ist, bietet der Markt Alternativen mit einer saubereren Bilanz.