ProtonVPN wird von Proton AG entwickelt, einem in Genf ansässigen Unternehmen, das von ehemaligen CERN-Wissenschaftlern gegründet wurde und heute mehrheitlich der Proton Foundation, einer Schweizer gemeinnützigen Organisation, gehört. Diese Eigentumsstruktur ist einzigartig in der VPN-Branche – sie verhindert rechtlich eine feindliche Übernahme und verpflichtet das Unternehmen, im Interesse der Nutzer zu handeln. Die Schweizer Rechtsordnung bietet starken Datenschutz, obwohl das geplante VÜPF-Überwachungsgesetz gewisse Unsicherheiten hinsichtlich künftiger regulatorischer Anforderungen an VPN-Anbieter eingeführt hat.
Das Datenschutzversprechen stützt sich auf mehrere Säulen. Alle Client-Anwendungen sind seit Januar 2020 vollständig quelloffen – eine Premiere unter den großen VPN-Anbietern. Securitum hat vier aufeinanderfolgende jährliche No-Logs-Audits durchgeführt (2022–2025), die jeweils bestätigten, dass keine Nutzeraktivitäten protokolliert, keine Verbindungsmetadaten gespeichert und keine Deep-Packet-Inspection auf Produktionsservern durchgeführt wird. Das Unternehmen veröffentlicht Transparenzberichte und führt einen Warrant Canary. Zu den Zahlungsmethoden zählen Bitcoin und Bargeld für anonyme Transaktionen.
Das Vertrauen in die Marke Proton wurde jedoch 2021 erschüttert, als ProtonMail die IP-Adresse eines französischen Klimaaktivisten auf der Grundlage einer rechtlich bindenden Gerichtsverfügung an Schweizer Behörden weitergab. Proton betont, dass VPN-Dienste nach Schweizer Recht nicht in gleicher Weise zur Protokollierung verpflichtet werden können, und ProtonVPN selbst war nie in einen vergleichbaren Vorfall verwickelt. Ein weiterer Fall aus dem Jahr 2024, bei dem ProtonMail eine Wiederherstellungs-E-Mail-Adresse an die spanische Polizei weitergab, hat die Bedenken hinsichtlich der Grenzen des Schweizer Datenschutzes erneut verstärkt. Dies sind ProtonMail-spezifische Ereignisse, die jedoch als relevanter Kontext für die Bewertung des gesamten Proton-Ökosystems zu berücksichtigen sind.
Die Serverinfrastruktur ist gewaltig: über 18.000 Server in 129 Ländern – die größte geografische Abdeckung unter den Premium-VPN-Anbietern. Secure-Core-Server in physisch gesicherten Rechenzentren in Island, Schweden und der Schweiz bieten Double-Hop-Routing für Hochrisikoanwender. Allerdings sind ungefähr zwei Drittel der Serverstandorte virtuell statt physisch, was für Nutzer relevant ist, die Server in unmittelbarer Nähe bevorzugen.
Die Geschwindigkeitsleistung ist mit WireGuard stark – TechRadar verzeichnete Spitzenwerte von über 950 Mbit/s, und Engadget maß eine Download-Geschwindigkeitserhaltung von 88 %. Die proprietäre VPN-Accelerator-Technologie liefert durch Multi-Path-Routing und BBR-Optimierung spürbare Verbesserungen bei Verbindungen über große Entfernungen. OpenVPN-Geschwindigkeiten sind merklich langsamer. ProPrivacy ermittelte insgesamt durchschnittlich 53,4 Mbit/s, wobei der Verbindungsaufbau 7,2 Sekunden dauert – langsamer als bei den meisten Mitbewerbern.
Der kostenlose Tarif ist der beste der Branche. Unbegrenzte Datenmenge, keine Geschwindigkeitsdrosselung, keine Werbung, Server in 8 Ländern. Kein anderer großer VPN-Anbieter bietet einen vergleichbaren kostenlosen Tarif. Die Einschränkungen: ein Gerät, keine Streaming-Optimierung, kein P2P, kein Secure Core oder NetShield und keine manuelle Serverauswahl innerhalb von Standorten.
Die Plattformunterstützung umfasst Windows, macOS, Linux (mit einer neuen CLI, die im Oktober 2025 veröffentlicht wurde), Android, iOS und ChromeOS. Die Funktionsparität zwischen den Plattformen ist uneinheitlich – Split-Tunneling ist nur unter Windows und Android verfügbar, was für macOS- und iOS-Nutzer eine erhebliche Lücke darstellt. Der Kill Switch funktioniert auf allen Desktop-Plattformen, aber iOS setzt auf einen Always-on-VPN-Workaround anstelle eines echten Kill Switch. Das DNS-basierte Werbeblocking von NetShield schneidet in Tests gut ab, kann jedoch bei einigen Streaming-Diensten zu Störungen führen.
Das Entsperren von Streaming-Inhalten funktioniert bei kostenpflichtigen Tarifen zuverlässig für Netflix (mehrere Regionen), Prime Video, Disney+, BBC iPlayer, Hulu und HBO Max. Der kostenlose Tarif beschränkt das Streaming auf Netflix und HBO Max auf ausgewählten Servern. Dedizierte streaming-optimierte Server und P2P-freundliche Server sind in über 90 Ländern verfügbar.
Eine nennenswerte Lücke: ProtonVPN hat noch keine Post-Quanten-Verschlüsselung implementiert, die NordVPN und ExpressVPN bereits anbieten. Dies ist in der Roadmap für 2026 als primärer Entwicklungsschwerpunkt bestätigt, einschließlich einer neuen VPN-Architektur, die dafür entwickelt wird.
Die Preise liegen im mittleren Bereich: 9,99 $ pro Monat, 4,99 $ bei Jahresplänen und 2,99 $ bei Zweijahresverträgen. Das attraktivste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet Proton Unlimited für 7,99 $/Monat im Jahresplan, das VPN zusammen mit ProtonMail, Proton Drive, Calendar und Pass bündelt – eine Ökosystemtiefe, die kein anderer VPN-Anbieter erreicht.
Trustpilot zeigt eine polarisierte Bewertung von 2,1/5 aus 845 Rezensionen, mit 58 % Ein-Stern-Bewertungen – deutlich unter den Wertungen von 4,2 bis 5,0, die Experten-Rezensenten vergeben. Häufige Kritikpunkte betreffen Verbindungszuverlässigkeit, Rückerstattungsstreitigkeiten und Reaktionszeiten des Supports. Die App-Store-Bewertungen sind deutlich positiver: 4,6/5 sowohl bei Google Play als auch im Apple App Store.